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Wie verändert die Pandemie das Reiseverhalten der Deutschen?

Im Rahmen des Projekts „ReiseZukunft“ hat das Institut CENTOURIS der Universität Passau im Mai eine bundesweite Umfrage zu den aktuellen Veränderungen im Reiseverhalten der Deutschen durchgeführt. Nun liegen erste Ergebnisse der Befragung vor. Von Janine Meier

Die repräsentative Studie mit 1.297 Teilnehmenden zeigt eine deutliche Tendenz: Reisen ja – aber Sicherheit geht vor. Dies gilt für den Großteil der Befragten. Das Corona-Urlaubsprofil 2021 ist geprägt von individuell geplanten, kürzeren Aufenthalten in touristischen Selbstversorgerunterkünften mit Eigenanreise und Aktivitäten auf dem Land und in der Natur. Negative Begleiterscheinungen bei Urlaubsreisen 2021 sind vor allem ein erhöhter Vorbereitungsaufwand wie Probleme durch eine erschwerte Informationsbeschaffung, finanzielle Unsicherheiten sowie ein spürbarer Druck aus dem sozialen Umfeld. Auffällig ist die Zahlungsbereitschaft zur finanziellen Absicherung und ein erhöhtes Interesse für eine Beratung und Buchung im Reisebüro, die Nutzung des digitalen Impfpasses und die Möglichkeiten des kontaktlosen Reisens.

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CENTOURIS ist ein Institut der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Passau und erarbeitet wissenschaftlich fundierte Praxislösungen für Fragestellungen der Tourismusbranche.

Rund ein Viertel der Befragten ist von der aktuellen Reisesituation verunsichert und reagiert entsprechend zurückhaltend. Die große Mehrheit der Deutschen kann sich aber vorstellen, dieses Jahr noch zu verreisen, wenn auch nicht in Risikogebiete. Etwa ein Viertel der Befragten hat für 2021 bereits eine Reise gebucht. 6 von 10 Personen gaben an, dass Reisen in ihrem sozialen Umfeld momentan eher verpönt seien. Vor allem die jüngeren Befragten haben dieses Empfinden. Wiederum ein Drittel davon gibt an, dass sie diese Reaktionen bei ihren Reiseentscheidungen durchaus berücksichtigen.

Die Reisevorbereitungen gestalten sich in Zeiten von Corona als besonders schwierig, allen voran die nicht vorhandene Beständigkeit der Planbarkeit und die Auswahl möglicher Reiseziele. Kompliziert ist für viele auch die Informationsbeschaffung zu Rahmenbedingungen bei An- und Abreise, die im Reiseland einzuhalten sind sowie zur allgemeinen Gesundheitsversorgung im Reiseland. Ebenso drängend sind finanzielle Fragen wie etwa zu Stornobedingungen oder zu Versicherungsleistungen im Krankheitsfall. Wer verreisen möchte, muss also sehr viel Zeit investieren, um all diese Fragen zu klären. Manche Einschränkungen vor Ort führen dazu, dass gänzlich auf eine Reise verzichtet wird. Bei vielen Befragten ist dies der Fall, wenn die touristische Basisinfrastruktur wie Gastronomie, touristische Sehenswürdigkeiten oder auch Transportmittel wie Seilbahnen geschlossen bzw. nicht verfügbar sind. Einschränkungen im Hinblick auf Corona-Schutzmaßnahmen sind für viele Befragte zwar ärgerlich, werden aber dennoch hingenommen. Hier ist ein gewisser Gewöhnungseffekt, z. B. Einschränkungen bei der Gastronomie oder im Einzelhandel zu erkennen.

6
von 10 Personen sagen, dass Reisen in ihrem sozialen Umfeld momentan eher verpönt seien

50
Prozent der Inlandsreisenden haben ihr Reiseverhalten Corona-bedingt geändert

60
Prozent der Befragten finden autarkes Reisen (sehr) wichtig, z.B. in Form einer Ferienwohnung

Autarkes Reisen und ein Trend zum Inlandsurlaub

Bei den Reisezielen liegen das In- und Ausland etwa gleich auf – allerdings gab jeder zweite Inlandsreisende an, sein Reiseverhalten Corona-bedingt geändert zu haben. Bei Urlaubsreisen in das Ausland liegt der Fokus klar auf den (mit dem Auto erreichbaren) europäischen Destinationen. Fast 60 Prozent der Befragten finden autarkes Reisen (sehr) wichtig und denken hierbei vor allem an die Anreise mit dem eigenen PKW und an die Unterkunftsform Ferienwohnung oder -haus. Auch Camping erfreut sich dank Corona zunehmender Beliebtheit: Hochgerechnet rund 7,5 Mio. Deutsche finden einen Urlaub mit Wohnwagen, Wohnmobil oder Camper sehr interessant und jeweils knapp 3 Mio. Deutsche überlegen seit der Pandemie, sich ein entsprechendes Fahrzeug anzuschaffen.

Knapp 3 Mio. Deutsche überlegen seit der Pandemie, sich einen Wohnwagen, Camper oder ein Wohnmobil anzuschaffen.

Knapp jeder zweite Befragte, für den dieses Jahr ein Urlaub generell in Frage käme, würde aufgrund der besonderen Situation in diesem Jahr eine Reiseberatung bzw. -buchung in einem Reisebüro in Anspruch nehmen. 22 Prozent davon haben vor der Pandemie keine entsprechenden Leistungen genutzt. Die Zahlungsbereitschaft für einzelne Reisebausteine, die im Hinblick auf Corona notwendig oder hilfreich sind, ist nur teilweise gegeben – und zwar immer dann, wenn es um die eigene finanzielle Absicherung geht, beispielsweise bei flexiblen Stornobedingungen.

Kontaktloses Reisen und der digitale Impfpass

Kontaktloses Reisen stößt auf hohe Akzeptanz bei den Befragten, insbesondere um überhaupt wieder verreisen zu können. Dagegen lehnt gut ein Drittel der Befragten Maßnahmen zum kontaktlosen Reisen ab. Den meisten der abgefragten Einsatzbereiche für kontaktloses Reisen wird ein hoher Nutzen konstatiert. Besonders hilfreich scheinen Gesichts- und Spracherkennung aber am Flughafen (Check-In) und innerhalb der Unterkunft zu sein. Fast jeder zweite Befragte wünscht sich unbedingt einen digitalen Impfpass, weitere 32 Prozent würden diesen akzeptieren, wenn dies eine Grundvoraussetzung für das Reisen wäre. 17 Prozent lehnen einen digitalen Impfpass ab.

Bildhinweis: Staatsminister Hubert Aiwanger übergab den Förderbescheid an Präsident Prof. Dr. Ulrich Bartosch (links), Kanzler Dr. Achim Dilling (Mitte), Dr. Stefan Mang (2.v.r.) und Prof. Dr. Dirk Totzek (rechts). Foto: StMWi/E. Neureuther

Forschungsprojekt „ReiseZukunft“: „Das richtige Projekt zur richtigen Zeit – Aufbruchsignal für Bayerns Reisebranche“

Im Forschungsprojekt „ReiseZukunft“ werden neue, wettbewerbsfähige Ideen und Handlungsempfehlungen entwickelt, die Reisebüros und Reiseveranstaltern in Bayern helfen, sich fit für die Zukunft aufzustellen.

Weitere Informationen

Neue Webinar-Reihe „Impulsveranstaltungen ReiseZukunft“

Seit Beginn des Projektes "ReiseZukunft" konnten bereits einige Lösungen zur Sicherstellung der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit analysiert werden. Diese sollen nun im Rahmen der kostenfreien Webinar-Reihe „Impulsveranstaltungen ReiseZukunft“ vorgestellt werden. Weitere Informationen finden Sie hier

Erste Umfrageergebnisse: Flusskreuzfahrt-Branche erwartet nachhaltige Marktveränderungen

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