Kaum war die Studie unter der Leitung des Informatikers Prof. Dr. Steffen Herbold und der Computerlinguistin Prof. Dr. Annette Hautli-Janisz erschienen, hatten die Forschenden eine Anfrage eines Journalisten der britischen Tageszeitung „The Times“ im Postfach. Ob sich aus den Daten auch Erkenntnisse über Großbritanniens künftigen Premier ablesen lassen, wollte der Journalist wissen.
Wer wirkt in politischen Debatten authentischer – KI oder Andy Burnham? Prof. Dr. Herbold hatte die Daten parat: Tatsächlich stellte Burnham einen Ausreißer aus den Ergebnissen dar. Burnhams Antworten in der britischen Politik-Talkshow BBC Question Time wirkten bei den Befragten authentischer als die von ChatGPT generierten Versionen. Damit bildete Großbritanniens künftiger Premier aber die Ausnahme: Überwiegend stuften die befragten Bürgerinnen und Bürger die durch die KI imitierten Antworten als authentischer, schlüssiger und relevanter als die tatsächlichen Antworten ein – selbst bei inhaltlichen Abweichungen. Für die Studie hatten die Passauer Forschenden einen Datensatz aus verschriftlichten Fragen und Antworten der britischen Politik-Talkshow BBC Question Time analysiert (mehr zur Studie).
Die britische Times räumte der Geschichte einen prominenten Platz ein: auf ihrem Titelblatt. Auch anderswo traf die Passauer Studie auf Resonanz (siehe Übersicht). Die Forschenden dazu: „Wir sind überwältigt. Mit so viel Aufmerksamkeit hätten wir gar nicht gerechnet“, sagt Prof. Dr. Herbold. „Ich freue mich sehr über das mediale Interesse. Denn unsere Studie zeigt auch, welch potenzielle Schäden durch die Nutzung von KI in der politischen Kommunikation entstehen könnten. Es ist wichtig, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären“, sagt Prof. Dr. Hautli-Janisz.
In Deutschland traf die Studie den Nerv einer kontroversen Debatte: Wieviel KI ist in Politik und Journalismus erlaubt? Diese Frage diskutierte die mediale Öffentlichkeit angesichts von KI geschriebener Politiker-Reden und ebensolcher Kommentare im Journalismus.
Über Großbritannien und Deutschland hinaus thematisierten unter anderem Medien in Frankreich, in den Niederlanden, in Ungarn und in den USA die Studie. Die nationale und internationale Resonanz auf die Forschungsarbeit aus Passau freut den Präsidenten der Universität, Prof. Dr. Jan Hendrik Schumann: „Diese Studie zeigt die Stärke der Universität Passau: Wir greifen Zukunftsthemen frühzeitig auf und untersuchen sie interdisziplinär. Gerade die künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend. Deshalb braucht es Forschung, die technologische Entwicklungen mit ihren Auswirkungen auf Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt zusammendenkt."
Thematisch knüpft die Studie an die Passauer Profilfelder im Bereich Forschung zu „KI & Sprache“ sowie „Resiliente Demokratien“ an.
Die Übersicht wird regelmäßig aktualisiert.
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