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Was Baumringe und Lagunenmuscheln über die Natur erzählen

Im Rahmen des Erasmus+-Projekts BESTNATURE waren Studierende unserer Universität Teil einer internationalen Gruppe, die Forschungsmethoden zur Bewertung der biologischen Vielfalt kennenlernte.

Im Rahmen des Erasmus+-Projekts BESTNATURE waren Studierende unserer Universität Teil einer internationalen Gruppe, die Forschungsmethoden zur Bewertung der biologischen Vielfalt kennenlernte.

Der Text wurde von Studierenden im Zuge des Moduls Wissenschaftskommunikation im Erasmus+-Projekt BESTNATURE verfasst.

Wir wanderten im Schatten der mediterranen Vegetation und folgten schmalen Pfaden, die sich durch die Hügel des Uccellina-Gebirges schlängelten. Die Luft roch nach Salz, warmer Erde und Kiefernharz. Die Landschaft veränderte sich mit jeder Kurve: dichte Buschlandschaften, offene Lichtungen, ruhige, im Landesinneren versteckte Feuchtgebiete und lange Waldstreifen, die sich bis zum Meer erstreckten. Dann erreichten wir den Gipfel, und plötzlich öffnete sich der Blick. Unter uns lag eine riesige Fläche mit Pinien, durchzogen vom breiten Lauf des Flusses Ombrone. Einen Moment lang sprach niemand.

Zunächst empfanden wir diese Landschaft vor allem als schön. Wir wussten noch nicht, wie wir die Informationen, die diese barg, deuten sollten. Das änderte sich im Laufe der nächsten Tage.

Im April 2026 brachte die BESTNATURE-Feldwoche mehr als vierzig Studierende und Dozierende aus Italien, Österreich und Deutschland zu einer Woche mit Feldaktivitäten in der südlichen Toskana zusammen. Als Teil des Erasmus+-Projekts BESTNATURE unter der Leitung von Prof. Dr. Christine Schmitt von der Universität Passau verband das Programm die im Laufe des Jahres entwickelten Online-Module mit praktischen Erfahrungen in Schutzgebieten. Die Ökosysteme wurden zu unseren Klassenzimmern.

Die Vergangenheit bietet ein natürliches Experiment, das sich über Jahrhunderte bis hin zu Jahrtausenden erstreckt.
Jordan Palli, Experte für Dendroökologie, Universität Tuscia

Dendroökologie: Die Geschichte der Bäume entschlüsseln

Ein Baumstamm kann Erinnerungen bewahren, die sich über Jahrzehnte oder bei manchen Arten sogar über Jahrhunderte erstrecken. Um diese zu entschlüsseln, bedarf es der Dendroökologie, der Wissenschaft von den Baumringen.

Wir wanderten durch den Buchenwald von Belagaio, das Dünenwaldschutzgebiet von Feniglia und den Regionalpark Maremma, begleitet von Experte und Expertin Jordan Palli und Michele Baliva von der Universität Tuscia. Sie erklärten uns, wie man einen Bohrer einsetzt und Kernproben von verschiedenen Baumarten entnimmt. Diese Überwachungsarbeit erforderte mehr Geduld und körperliche Kraft, als wir erwartet hatten. Das Setzen des Bohrers in den Baumstamm und das kontinuierliche Drehen war besonders bei dichtem, harzigem Holz wie dem der Korkeiche (Quercus suber) und der Steineiche (Quercus ilex) eine Herausforderung.

Als wir mit der Auswertung der Proben begannen, erzählten die Ringe Geschichten. Die Anzahl der Ringe verriet das Alter eines Baumes. Die Breite der Ringe zeugte von vergangenen Dürren, extremen Temperaturen, regionalen Waldbränden und Phasen ökologischen Stresses. Wir lasen nicht nur die Bäume, sondern lernten, die ökologische Geschichte der gesamten Region zu entschlüsseln.

Zu verstehen, wie Bäume in der Vergangenheit auf Umweltveränderungen reagiert haben, ist entscheidend, um Ökosysteme in Zukunft nachhaltiger zu schützen.

„Dieser Kurs und die Feldforschung, die wir gemeinsam mit den Dendroökologen durchgeführt haben, haben mir eine ganz neue Wertschätzung für die Bäume vermittelt, denen ich mittlerweile überall begegne.“
Teresa Hoffmeister, Studentin, Universität Passau

Fotofallen: Wildtiere beobachten, ohne gesehen zu werden

Bei einem Spaziergang durch die Wälder des Regionalparks Maremma erfuhren wir, wie Forschende mithilfe von Fotofallen Wildtiere beobachten können, ohne sie zu stören. Der Experte Pietro Milanesi erklärte, dass Fotofallen Rehe, Wildschweine, Rotwild, Wölfe und Goldschakale identifizieren können. In einigen Gebieten zeigten sie, dass Tiere, die Forscher zunächst für Wölfe gehalten hatten, in Wirklichkeit Goldschakale waren. Kamerafallen können auch dabei helfen, illegale menschliche Aktivitäten wie Wilderei aufzudecken.

Unter der Anleitung der Geografin Kerstin Hikel von der Universität Passau und ihres Kollegen Pietro Milanesi von der Universität Bologna haben wir entdeckt, dass das Aufstellen einer Kamerafalle weit mehr beinhaltet, als nur eine Kamera an einem Baum zu befestigen. Die Platzierung hängt stark von der Forschungsfrage ab. Um beispielsweise die Bestandsgröße von Säugetieren zu schätzen, werden Kameras oft entlang von Tierpfaden positioniert, auf denen Wildtiere am ehesten vorbeikommen. Die Kamera muss in Bewegungsrichtung ausgerichtet sein, damit sie Tiere nicht nur direkt vor dem Objektiv, sondern auch aus der Ferne erfasst. Zu viele Äste und dichte Vegetation können die Sicht behindern oder unnötige Aufnahmen auslösen. Die Höhe der Kamera hängt von der Zielart ab: Bei kleineren Säugetieren wie Ratten müssen die Kameras in Bodennähe angebracht werden. Bei Untersuchungen an Obstbäumen muss die Kamera auf den Bereich gerichtet sein, in den die Früchte fallen, um zu beobachten, welche Tiere sich davon ernähren. Den richtigen Baum für die Aufstellung zu finden, kann eine Herausforderung sein: Er muss stabil und relativ gerade sein und im richtigen Winkel zum Beobachtungsbereich stehen.

Bei unserem eigenen kurzen Feldversuch konnten wir keine Tieraufnahmen machen. Auch das war eine wichtige Lektion. Unsere Kameras waren nur wenige Stunden im Wald im Einsatz; echte Studien zur Überwachung der Artenvielfalt erfordern wochen- oder sogar monatelange kontinuierliche Beobachtung. Die Erforschung der Tierwelt erfordert Geduld, sorgfältige Planung und das Verständnis, dass sich die Natur nicht immer sofort offenbart.

Stille Komplexität von Küstenlagunen: Erfahrungen aus der Feldforschung in Duna Feniglia

Die Levante-Lagune im Naturschutzgebiet Duna Feniglia bot einen der aufschlussreichsten Einblicke in den ökologischen Zustand dieser Küstenlandschaft. Eingebettet zwischen dem Tyrrhenischen Meer und dem geschützten Dünenwald befindet sich diese Brackwasserlagune in einer Übergangszone, in der Süßwasserzufluss, mariner Einfluss und terrestrische Dynamiken aufeinandertreffen, was sie zu einem außerordentlich sensiblen Bioindikator für Umweltveränderungen macht.

Unser Probenahmeprotokoll folgte den Standardverfahren zur Erfassung von Makroinvertebraten: Probenahme mit dem Kicknetz entlang der flachen Küstenlinie, kombiniert mit Wasserpumpenentnahme, gefolgt von einer sorgfältigen visuellen Sortierung des gesammelten Materials auf weißen Tabletts. Das Waten in Stiefeln und die Probenahme direkt mit Handnetzen verliehen der Feldarbeit eine unerwartet fesselnde Dimension. Das Stehen im Wasser, das Netz in der Hand, hat etwas Unmittelbares und Erdendes an sich, das kein rein instrumenteller Ansatz nachbilden kann.

Störungen kündigen sich hier nicht lautstark an; sie schleichen sich allmählich ein und verändern die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft, lange bevor sie mit bloßem Auge erkennbar werden.

Die aus diesen Proben gewonnenen Organismen waren weit mehr als nur taxonomische Kuriositäten. Makroinvertebraten dienen als lebende Archive der Wasserqualität. Ihre Zusammensetzung und relative Häufigkeit spiegeln nicht nur die gegenwärtigen Bedingungen wider, sondern auch die kumulativen Auswirkungen vergangener Störungen: Schwankungen im Salzgehalt, Nährstoffbelastung, hydrologische Veränderungen und saisonale Belastungen. Eine vielfältige Gemeinschaft, reich an empfindlichen Taxa, signalisiert ökologische Integrität; eine verarmte oder von toleranten Taxa dominierte Gemeinschaft erzählt eine beunruhigendere Geschichte.

Diese Feldforschung bekräftigte letztlich, dass Gewässerüberwachung, ähnlich wie jede ökologische Bewertung, ein Akt des Zuhörens ist. Die Lagune verkündet ihren Zustand nicht durch dramatische Signale; sie verschlüsselt ihn in den subtilen Lebensmustern, die ihre Gewässer bewohnen.

Wir kamen in die Toskana, um wunderschöne Landschaften zu betrachten; wir reisten ab, nachdem wir gelernt hatten, sie zu entschlüsseln. Jede Methode lehrte uns eine ähnliche Lektion: Biodiversität ist eine Geschichte, die in kleinen Details geschrieben ist. Das Lesen dieser Muster zu erlernen, ist nicht nur eine wissenschaftliche Übung. Es ist eine Voraussetzung für den Schutz von Ökosystemen in einer Zeit sich beschleunigender Umweltveränderungen.

Über die Autorinnen und Autoren:

- Elisabeth Raab, Lehramt Gymnasium Geographie und Englisch, Universität Passau

- Aslı Tolaman, Master Development Studies, Universität Passau

- Ilaria Ghaleb, Master of Science in Global Change Ecology and Sustainable Development Goals, Universität Bologna

- Giulia Gennaioli, Bachelor's in Natural Sciences, Universität Bologna

- Aleyna Doğa Tello Francia, Master Development Studies, Universität Passau

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ins Deutsche übersetzt.

Mehr Informationen

Prof. Dr. Christine Schmitt

Prof. Dr. Christine Schmitt

forscht zu Vegetationsgeographie und Mensch-Umwelt-Beziehungen

Wie kann ich Schutz und Nutzung von natürlichen Ressourcen und Biodiversität vereinbaren?

Prof. Dr. Christine Schmitt ist seit April 2021 Inhaberin des Lehrstuhls für Physische Geographie mit Schwerpunkt Mensch-Umwelt-Forschung an der Universität Passau. Sie ist im Beirat der Gesellschaft für Tropenökologie (gtö) und des BayWISS-Kollegs Life Sciences und Grüne Technologien aktiv und hat Erfahrung in der Politikberatung auf internationaler Ebene.

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