Logo der Universität Passau
Dekoratives Bannerbild Dekoratives Bannerbild

Vom Plattform-Forscher zum Gründer

Moritz Maier, Absolvent des DFG-Graduiertenkollegs 2720 „Digital Platform Ecosystems", hat erforscht, wie Gründerinnen und Gründer, CEOs und Top-Management-Teams digitale Plattformen prägen – und wird nun selbst zum Gründer.

Moritz Maier, Absolvent des DFG-Graduiertenkollegs 2720 „Digital Platform Ecosystems", hat erforscht, wie Gründerinnen und Gründer, CEOs und Top-Management-Teams digitale Plattformen prägen – und wird nun selbst zum Gründer.

Moritz Maier startete in seine Dissertation als Plattform-Enthusiast. Drei Jahre später ist sein Blick auf digitale Plattformen nüchterner geworden, aber nicht resigniert. „Digitale Plattformen haben das Potenzial, die größten Herausforderungen unserer Zeit zu lösen – Klimawandel, Armut, soziale Ungleichheit. Aber sie können unseren Demokratien und uns als Individuen auch großen Schaden zufügen“, sagt er im Video.

Vimeo-Video

Mit dem Abspielen des Videos stimme ich dem Verbindungsaufbau zu Vimeo und der Übermittlung personenbezogener Daten (z.B. der IP-Adresse) zu.

Mit dem Abspielen des Videos stimme ich dem Verbindungsaufbau zu Vimeo und der Übermittlung personenbezogener Daten (z.B. der IP-Adresse) zu.

Maier gehört zu den ersten Kollegiatinnen und Kollegiaten des DFG-Graduiertenkollegs 2720 „Digital Platform Ecosystems“ an der Universität Passau. Es untersucht digitale Plattformen interdisziplinär – nicht nur aus technologischer Perspektive, sondern unter anderem auch mit Blick auf Geschäftsmodelle und die Persönlichkeiten dahinter. Nicht nur in Europa und den USA, sondern auch im Globalen Süden.

Vor kurzem hat Maier seine Dissertation abgegeben. Sie spiegelt die Vielfalt der Forschung am Graduiertenkolleg wider. In seinen drei Aufsätzen wählt er unterschiedliche Themen und methodische Zugänge. Der Titel „Don’t You (Forget About Me)“ deutet die inhaltliche Klammer an. Die drei Aufsätze verfolgen denselben Gedanken: Digitale Plattform-Ökosysteme sind keine reine Technik, sondern soziale Gebilde, geprägt von den Menschen, die sie aufbauen und steuern. „Wer diese Akteure übersieht, kann weder erklären, warum Plattformen wachsen, noch warum manche Ökosysteme Macht konzentrieren oder warum manche Unternehmen erfolgreicher sind als andere“, sagt Maier.

Feldforschung in Kenia. In einem interdisziplinären, international besetzten Forschungsteam – mit Mitgliedern aus Europa und Afrika und in Zusammenarbeit mit dem International Food Policy Research Institute (IFPRI) und der Weltbank – untersucht das Team anhand einer qualitativen Mehrfallstudie dreier Agrarplattformen, wie Unternehmer im Globalen Süden digitale Plattformen aufbauen. Ein Ergebnis: „Was wir über Plattformen in den USA oder Europa wissen, können wir nicht einfach auf den Globalen Süden übertragen. Das funktioniert dort so nicht", erklärt Maier. Damit Bäuerinnen und Bauern in Kenia digitale Plattformen überhaupt nutzen, brauche es lokal verankerte menschliche Vermittler – das Team spricht von „Agents", die als „menschliche Plattformen" Vertrauen aufbauen und die Technik in den lokalen Kontext übersetzen.

CEOs und Narzissmus. In der Forschung dominieren bei Plattformen oft technische Aspekte, vermutlich weil diese greifbarer sind. Doch Plattformen agieren nicht im luftleeren Raum. „Wenn man die Entwicklung von digitalen Plattformen verstehen will, muss man sich die Menschen dahinter anschauen", erklärt Maier. In einem konzeptionellen Aufsatz beschäftigt sich das Autorenteam mit Narzissmus bei Vorstandschefs und verbindet dafür Erkenntnisse aus der Psychologie, der Soziologie und der Topmanagement-Forschung. Der Befund: Der Effekt ist zweischneidig. Ein gewisses Maß an Narzissmus kann den Wert steigern, den ein Plattform-Ökosystem schafft – zu viel davon kippt ins Gegenteil, weil sich Macht um eine kleine, privilegierte Gruppe von Partnern konzentriert. So zeigt das Team: Die Persönlichkeit einzelner Führungskräfte prägt nicht nur ihr eigenes Unternehmen, sondern ein ganzes Ökosystem.

Die existierende Forschung empfiehlt Führungskräften, offener und kollaborativer zu werden. Wir haben gelernt: Es ist auch wichtig, die eigenen Daten zu schützen und sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden – nicht nur auf gemeinsame Wertschöpfung abzuzielen.
Moritz Maier, DFG Graduiertenkolleg 2720 Digital Platform Ecosystems

Relational versus transaktional. Im dritten Artikel arbeiten Maier und sein Autorenteam quantitativ. Sie analysieren die Sprache in den Geschäftsberichten von rund 500 großen börsennotierten US-Unternehmen, um zu erfassen, wie deren Top-Management-Teams denken – eher relational oder eher transaktional. Begriffe wie „co-create", „ecosystem partner" oder „open source" deuten auf eine relationale kognitive Orientierung hin: die Bereitschaft, mit anderen zusammenzuarbeiten und Wert gemeinsam zu schaffen. Im zweiten Schritt untersucht das Team, wie das mit dem Unternehmenserfolg zusammenhängt. Im Schnitt zeigt sich dabei ein Zusammenhang: Eine stärker transaktionale, eher abschottende Orientierung der Führungsteams hängt tendenziell mit höherem Unternehmenserfolg zusammen – ein statistischer Zusammenhang, kein kausaler Automatismus. „Die existierende Forschung empfiehlt Führungskräften, offener und kollaborativer zu werden. Wir haben gelernt: Es ist auch wichtig, die eigenen Daten zu schützen und sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden – nicht nur auf gemeinsame Wertschöpfung abzuzielen", sagt Maier. Erste, noch vorläufige Hinweise deuten zudem darauf hin, dass es am Ende nicht um das eine oder das andere geht, sondern um beides zugleich: Führungsteams, die gemeinsame Wertschöpfung und das Sichern des eigenen Anteils verbinden, könnten im Ökosystem-Wettbewerb besser bestehen.

Doktorvater der Arbeit ist Prof. Dr. Andreas König, Sprecher des Graduiertenkollegs und Inhaber des Lehrstuhls für BWL mit Schwerpunkt Strategisches Management, Innovation und Entrepreneurship, Zweitgutachterin ist Prof. Dr. Carolin Häussler, Inhaberin des Lehrstuhls für Organisation, Technologiemanagement und Entrepreneurship und Projektleiterin im Graduiertenkolleg. Die Ko-Autorinnen und -Autoren der wissenschaftlichen Artikel stammen zum Teil aus anderen Disziplinen und dem internationalen Netzwerk des Graduiertenkollegs, darunter die Mercator-Fellows Professor Don Lange und Professor Tim Quigley. Mit DPE Alumna Anastasiya Shylina hat Maier eng zusammengearbeitet. Bei der Forschung in Kenia profitierte er vom Austausch mit DPE Kollegiatin Sally Boyani Mokaya. Ihre Forschungsthemen sind andere – doch als Kenianerin kennt sie die Hürden, die über Erfolg oder Scheitern digitaler Plattformen in ihrem Heimatland entscheiden.

Aus dem anfänglichen Plattform-Enthusiasten Maier ist ein Forscher geworden, der die Ambivalenzen kennt. Den Elan hat er nicht verloren, aber er ist reflektierter geworden. „Die Promotion hat mich gelehrt, tief in ein Thema einzutauchen und dranzubleiben, auch wenn es schwierig wird“, sagt er.

Nun folgt auf die Forschung die Praxis. Gemeinsam mit anderen ist Maier gerade dabei, ein Startup zu gründen: eine digitale Plattform, die Anbieter serieller Wohnbausysteme mit Initiatoren von Wohnbauprojekten zusammenbringt. Dahinter steht eine Idee, die sich durch Maiers Arbeit zieht – in der Forschung wie in der Praxis: mit Plattformdenken Innovationen voranzutreiben, die einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Hier ist es der Kampf gegen die Wohnungskrise.

DPE Forum 2026 – Kritische Perspektiven auf digitale Plattformen

Am 15. und 16. Juni 2026 veranstaltet das DFG-Graduiertenkolleg 2720 „Digital Platform Ecosystems“ (DPE) die internationale Konferenz „DPE Forum“. Unter dem Leitmotiv „Kritische Perspektiven auf digitale Plattform-Ökosysteme: Steuerung, Einfluss und Folgen“ diskutieren Expertinnen und Experten mit Promovierenden und Postdocs drängende Fragen der Plattformökonomie – von ungelösten Machtfragen über globale Regulierungsstrategien bis zu den Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.

Prof. Dr. Andreas König

Prof. Dr. Andreas König

forscht zu organisationalem Wandel und Kommunikation von Führungskräften

Wie reagieren etablierte Organisationen und deren Führungskräfte auf digitale Transformation?

Prof. Dr. Andreas König ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Strategisches Management, Innovation und Entrepreneurship sowie Sprecher des DFG-Graduiertenkolleg 2720: "Digital Platform Ecosystems (DPE)" an der Universität Passau. Seine Forschungsergebnisse werden in weltweit führenden wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, darunter das Administrative Science Quarterly, der Academy of Management Review und Research Policy.

Mehr Beiträge

Ich bin damit einverstanden, dass beim Abspielen des Videos eine Verbindung zum Server von Vimeo hergestellt wird und dabei personenbezogenen Daten (z.B. Ihre IP-Adresse) übermittelt werden.
Ich bin damit einverstanden, dass beim Abspielen des Videos eine Verbindung zum Server von YouTube hergestellt wird und dabei personenbezogenen Daten (z.B. Ihre IP-Adresse) übermittelt werden.
Video anzeigen