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Plattform macht Kunst in Niederbayern online zugänglich

Kunst im öffentlichen Raum gibt es in Niederbayern reichlich – aber wo und von wem? Mit der Internetplattform „Kunst in Niederbayern“ macht es sich der Bezirk nun zur Aufgabe, öffentliche Kunst in Niederbayern möglichst umfassend zu dokumentieren und die Werke, die man im Alltag eher „nebenbei“ wahrnimmt, sichtbarer zu machen. Um rund 70 Kunstwerke reicher ist das Projekt in den vergangenen Monaten dank der Arbeit von Studierenden am Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Bildwissenschaft der Universität Passau geworden. Nun ist die Bevölkerung gefragt, weitere Kunstwerke zu melden.

Wir verbinden Kunst meist mit speziellen Orten, zum Beispiel Museen oder Galerien. Was öffentliche Kunst besonders macht, ist, dass sie uns in einem Raum begegnet, in dem wir nicht unbedingt Kunst erwarten“, sagt Prof. Dr. Jörg Trempler. „Wenn wir dann plötzlich vor Kunst stehen, vermischen sich die Sphären, das erzeugt ganz besondere Momente – und weckt auch die Frage danach, wo der Alltagsraum endet und die Kunst beginnt. Das ist spannend.“
 

„Lichtstele“, Ben Muthofer, Aluminium, 1991 aufgestellt am Römerplatz, Ecke Donaukai, in Passau. Foto Günthner

„Lichtstele“, Ben Muthofer, Aluminium, 1991 aufgestellt am Römerplatz, Ecke Donaukai, in Passau. Foto Günthner
 

Die „Lichtstele“ von Ben Muthofer am Passauer Römerplatz ist so ein Werk: Obwohl eindrucksvolle fünf Meter hoch, verschmilzt die filigran wirkende Aluminiumskulptur so elegant mit ihrem Umfeld, dass man sie an trüberen Tagen leicht übersehen kann. Und wer sie sieht, sucht vergeblich nach einer Inschrift, die auf Titel oder Künstler verweist. Die Stele scheint direkt aus dem grasbewachsenen Boden zu sprießen, mehr ist da nicht.

Hier setzt das neue Internetangebot an: Ein Semester lang haben sich Studierende in Tremplers Hauptseminar in der kreisfreien Stadt sowie dem Landkreis Passau auf die Suche nach Kunstwerken begeben, diese fotografiert, ihren Hintergrund recherchiert und in kleinen Steckbriefen zugänglich gemacht. „Wichtig war für uns dabei, dass wir die Kunst nicht werten oder interpretieren, sondern nur die Fakten dokumentieren, um den Betrachtern Raum für ihre eigene Kunsterfahrung zu lassen“, so Trempler.

David Würleitner hat sich als „Kunstsammler“ unter anderem in Passau intensiv umgesehen. Zu den Werken, die er erfasst hat, zählt der „Genius“ von Karl Bodingbauer: Er steht seit 1930 mitten in der Passauer Fußgängerzone, überlebensgroß und markant patiniert. „Dennoch ist er selbst Einheimischen häufig unbekannt, da er auf einem Dach steht. Wer nicht nach oben schaut, geht daran vorbei“, sagt Würleitner. „Die Figur steht für einen Schutzgeist, der Unheil abwenden und dem Geschäftshaus volle Kassen bescheren soll.“ Ihm hat das Projekt einen neuen Blick auf seine Studienstadt beschert, wie er sagt. „Ich weiß nun mehr über viele Orte, an denen ich täglich vorbeilaufe, durfte auch teilweise den Künstlern hinter den Werken begegnen. Das war sehr bereichernd.“

Von Bereicherung spricht auch Dr. Laurenz Schulz vom Kulturreferat des Bezirks Niederbayern, der die Zusammenarbeit mit der Universität initiierte und die Internetseite nun weiter betreibt. „Niederbayern ist sehr reichhaltig, was Kunst im öffentlichen Raum angeht. Dafür wollen wir die Menschen, die hier leben, gewinnen und sensibilisieren.“ Bayernweit gebe es außerhalb Münchens kein vergleichbares Projekt, der Freistaat sei im Hinblick auf die Erfassung öffentlicher Kunst nach wie vor ein „ziemlich weißer Fleck“, so Schulz. „In Professor Trempler und seinem Team haben wir genau die regionale Expertise gefunden, die uns erlaubt, das zu ändern und ein hochwertiges und gut fundiertes Angebot aufzubauen.“


Interessierte können sich auf der Internetpräsenz nicht nur über Kunstwerke informieren, sondern auch Kunst melden, die dort noch nicht erfasst ist.