Nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Probleme sind in Kolumbien inzwischen die häufigste Todesursache. Besonders betroffen: Menschen in ländlichen Regionen. Sie haben oft keinen regelmäßigen Zugang zu Fachärztinnen und -ärzten oder Vorsorgeuntersuchungen, und die Wege ins nächste Krankenhaus können Stunden dauern. Viele Patientinnen und Patienten lassen ihre chronischen Erkrankungen deshalb gar nicht oder nur unregelmäßig behandeln – mit schwerwiegenden Folgen.
Hier setzt María Fernanda Ledezma Agredo mit ihrer Forschung an. Die Ökonomin kennt die Probleme ihres Heimatlands: Sie kommt ursprünglich aus der Großstadt Cali im Südwesten Kolumbiens. Ein Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdiensts (DAAD) führte sie 2023 nach Passau, wo sie einen Master in Development Studies absolvierte. Ihre Begeisterung für den Bereich blieb. Sie entschied sich, ihre akademische Laufbahn fortzusetzen. Vor kurzem trat sie eine Stelle als Doktorandin am DFG-Graduiertenkolleg 2720 „Digital Platform Ecosystems“ (DPE) an.
Das Kolleg untersucht digitale Plattformen interdisziplinär – nicht nur aus technologischer Perspektive, sondern auch mit Blick auf Chancen und Risiken im Globalen Süden. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Kolleg ist die weltweit größte Forschungsgruppe zur Plattformökonomie, insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften. Es prägt das strategische Forschungsprofilfeld „Digitale Plattformen“ der Universität Passau.
Digitale Plattformen als Brücke über geografische Hindernisse
Telemedizin könnte eine Chance für Ledezma Agredos Heimatland sein, angesichts der großen geografischen Unterschiede. Von den Anden über die Pazifikküste bis ins Amazonasbecken: Die Wege sind weit, die Infrastruktur ist oft schlecht. „Digitale Angebote wie Fernkonsultationen oder die Überwachung chronischer Krankheiten würden Menschen in ländlichen Regionen womöglich den Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglichen.“
Tatsächlich hat die Covid-19-Pandemie dafür gesorgt, dass Telemedizin in Kolumbien verbreiteter ist, erklärt die Ökonomin im Video. „Wir wollen untersuchen, ob dieser Schub die Gesundheitsroutine von Menschen mit nichtübertragbaren Krankheiten verändert hat.“ Wenig erforscht ist zudem, ob Telemedizin auch langfristig dazu beitragen kann, die Behandlung chronischer Erkrankungen in Schwellenländern wie Kolumbien zu verbessern. „Ein besseres Verständnis der Effekte von Telemedizin könnte dabei helfen, fundiertere politische Entscheidungen im Bereich der digitalen Gesundheit zu treffen.“
Eingebettet in starke Forschungsgemeinschaft
Aufbauen kann Ledezma Agredo auf Vorarbeiten an der Universität Passau. Am Graduiertenkolleg ist sie im Forschungsbereich C zu den „sozioökonomischen und regulatorischen Dimensionen digitaler Plattform-Ökosysteme“ angesiedelt. Dieser Bereich untersucht unter anderem die gesellschaftlichen Auswirkungen digitaler Plattformen auf die Gesundheit. Ihr Betreuer ist der Entwicklungsökonom Prof. Dr. Michael Grimm. Er hat im Rahmen des EU Projekts SUNI SEA die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen gegen nichtübertragbare Krankheiten erforscht. Ihre Mitdoktorandin Laura Stock befasst sich ebenfalls mit den Chancen von Telemedizin, und zwar mit Schwerpunkt auf Subsahara-Afrika.
Im Forschungsbereich C kann Ledezma Agredo also fachlich in die Tiefe gehen. Was sie am Graduiertenkolleg außerdem besonders schätzt, ist der Austausch mit fachfremden Kollegiatinnen und Kollegiaten: „Forschung ist kein isolierter Prozess. Die Gruppe gibt mir Struktur und eine Forschungsgemeinschaft.“ Sie profitiere von Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Fachrichtungen: „Sie helfen mir, eine andere Perspektive einzunehmen oder stellen Fragen, auf die ich vielleicht gar nicht gekommen wäre.“
Das DFG-Graduiertenkolleg 2720 „Digital Platform Ecosystems“ (DPE) vereint Forschende aus der Wirtschaftsinformatik, der Betriebswirtschaftslehre, der Volkswirtschaftslehre und der Kommunikationswissenschaft. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Kolleg ist die weltweit größte Forschungsgruppe zur Plattformökonomie, insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften. Es prägt das strategische Forschungsprofilfeld „Digitale Plattformen“ der Universität Passau.