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Dimensionen der Sorge

Dimensionen der SorgeDimensionen der Sorge

Im Forschungsschwerpunkt werden Sorgeverhältnisse in soziologischer, philosophischer oder praktisch theologischer Perspektive untersucht: Wie manifestiert sich die Sorge als existentielle Konstante des Menschen? Welche Wege werden im Umgang damit bestritten?

Die Sorge um sich, um Andere und um die Umwelt spielt in individuellen Lebensentwürfen ebenso wie in sozialen Institutionen eine bedeutende Rolle. Die Sorge um sich wandelt sich im Kontext etwa von Digitalisierung und Individualisierung; die Sorge um andere weist zwischen professioneller Pflege und Mitleid für Opfer andernorts stattfindender Naturkatastrophen große Unterschiede auf; und Sorge um die Umwelt ist unter dem Stichwort Klimawandel allgegenwärtig. Die Vielfalt der Sorge äußert sich nicht zuletzt in der Vielfalt semantischer Konnotationen und Ableitungen wie Sorgfalt, Sorgsamkeit, Vorsorge, Fürsorge oder Versorgung – wobei die Sorge um sich, um andere und um die Umwelt leicht in Widerspruch zueinander geraten.

Im Jahr 2014 wurde der interdisziplinäre Forschungs- und Promotionsschwerpunkt „Dimensionen der Sorge“ am Evangelischen Studienwerk Villigst eingerichtet, in dem Soziologie, Theologie und Philosophie zusammenarbeiten. Zielsetzung des Forschungsschwerpunkts war, der lebensweltlich-semantischen wie theoretischen Vielfalt von Bezügen der Sorge durch ein analytisches Konzept gerecht zu werden, das deren wechselseitige Inbezugnahme erlaubt. Sorge wird dabei verstanden als gegenwärtiger Zukunftsbezug und methodisch bestimmt als Beziehung zwischen einem sorgenden Selbst und einem „Worum“ seiner Sorge. Sorge um sich, Sorge um Andere und Sorge um die Umwelt ergeben sich als drei Relationen der Sorge, die durch eine historisch-genealogische Perspektivierung sowie durch Berücksichtigung möglicher Außenverhältnisse erweitert werden. Dieses Konzept der Sorge verspricht Aufschluss im Hinblick auf die Frage, wie sich die Sorge als existentielle Komponente des Menschen in der Gegenwart manifestiert und welche Wege im Umgang mit der Sorge beschritten werden.

Das damit angelegte Konzept hat sich als fruchtbar erwiesen. Es wurde in den einzelnen Dissertationsarbeiten erfolgreich als Interpretationsschema herangezogen und weiterentwickelt. Dabei haben sich in den weiterführenden Diskussionen im Promovierendenkreis, im Schwerpunkt insgesamt und auf den öffentlichen Tagungen 2015 und 2017 vielfältige Bezüge ergeben, die in zwei gemeinsamen Buchpublikationen dokumentiert sind. Die Themenstellung des Schwerpunkts hat sich dabei weiterentwickelt: Aus der interdisziplinären Diskussion der Dimensionen der Sorge, der Möglichkeit des Nicht-Sorgens und der Dissertationsprojekte ergibt sich als weiterentwickelte Zielsetzung die Untersuchung von Rahmenbedingungen aktiver Sorgebeziehungen.

In der weiteren Zusammenarbeit des Schwerpunkts stehen zwei Fokussierungen im Zentrum: Erstens steht die normative Seite der Sorge nunmehr im Mittelpunkt. Glück, ein gutes Leben oder auch gute Beziehungen erfordern aktive Sorgebeziehungen als einem wechselseitigen Geben. Dies ist jedoch in einer individualistischen Leistungsgesellschaft schwer zu leben, da Sorge/das Engagement für andere dort tendenziell als Verlust angesehen wird. Wir fragen nach den Rahmenbedingungen, unter denen Resilienz, Altruismus und Nachhaltigkeit als aktive Dimension der Sorge um sich, um andere und um die Umwelt gefördert oder verhindert werden. Zweitens streben wir eine Fokussierung der konkreten Forschungsfelder auf „helfende Berufe“ in einem umfassenden Sinne an, da sich hier Rahmenbedingungen aktiver Sorgebeziehungen besonders kondensiert untersuchen lassen. Es bleibt der übergreifende Anspruch zu untersuchen, wie die Bearbeitung einer existentiellen Sorge um das Heil des Selbst, der Gemeinschaft und der Welt bewältigt werden kann.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Webseite des Evangelischen Studienwerks Villigst.

Fördergeber: Evangelisches Studienwerk Villigst, Ansprechpartner Prof. Dr. Knut Berner

Projektbeteiligte:

  • Prof. Dr. Anna Henkel, Universität Passau (Leitung)
  • Prof. Dr. Isolde Karle, Ruhr-Universität Bochum
  • Prof. Dr. Gesa Lindemann, Carl-v.-Ossietzky Universität Oldenburg
  • Prof. Dr. Micha Werner, Universität Greifswald

Aktuelle und ehemalige StipendiatInnen im Projekt:

  • Jana John (Soziologie)
  • Stefanie Schniering (Soziologie)

Erste Förderphase: 09/2014 bis 10/2019

Zweite Förderphase:
11/2019 bis 08/2024

Förderumfang: Im Rahmen des Schwerpunkts werden jährlich bis zu vier Stipendien vergeben.
Gefördert wird außerdem jährliche eine Jahrestagung des Schwerpunkts sowie jährlich ein stipendiatisches Interimstreffen.

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