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"Privileg, am Puls der Zeit zu forschen"

Das DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 "Privatheit und Digitalisierung" zieht mit über 100 angemeldeten Teilnehmenden Bilanz nach neun Jahren Privatheitsforschung – mit Fachvorträgen von 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland, darunter viele ehemalige Kollegiatinnen und Kollegiaten.

Nach neun Jahren Privatheitsforschung in zwei Förderphasen hat das DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 "Privatheit und Digitalisierung" an der Universität Passau Bilanz gezogen: In sechs Panels versammelte die Online-Abschlusstagung vom 18. bis 19. Februar 2021 viele aktuelle und ehemalige Kollegiatinnen und Kollegiaten sowie renommierte Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler (zum Programm). Dr. Martin Hennig, Postdoc des Graduiertenkollegs, hatte die Veranstaltung gemeinsam mit der Koordinatorin Miriam Frank und dem Koordinator Felix Sobala konzipiert und organisiert.

„14 Promotionen, 31 Kollegiatinnen und Kollegiaten, 35 Förderungen – das ist eine tolle Bilanz“, erklärte Universitätspräsident Prof. Dr. Ulrich Bartosch bei der Begrüßung. Wie aktuell das Thema Privatheit nach wie vor sei, zeige sich bereits am Format der Veranstaltung: Diese fand pandemiebedingt online statt, jedoch aus Datenschutzgründen über das Videokonferenz-Tool „Zoom on Premise“, das das Zentrum für Informationstechnologie und Medienmanagement (ZIM) der Universität Passau für die universitätsinterne Nutzung bereitstellt.

 „Das DFG-Graduiertenkolleg ‚Privatheit und Digitalisierung‘ der Universität Passau hat sich den vielschichtigen Spannungsfeldern zwischen Politik und Wirtschaft, Medien und Gesellschaft sowie individueller und kollektiver Verantwortung in der digitalisierten Gesellschaft von heute und von morgen gewidmet“, resümierte Prof. Dr. Kai von Lewinski, Sprecher des Graduiertenkollegs und Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Medien- und Informationsrecht. „Wir blicken zufrieden und stolz auf die neun Jahre des Kollegs zurück.“

Über das Graduiertenkolleg

Graduiertenkollegs sind Einrichtungen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die innovative exzellente Forschung mit einer darauf bezogenen, strukturierten Nachwuchsförderung verbinden. Im Mittelpunkt steht die Qualifizierung von Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen eines thematisch fokussierten Forschungsprogramms sowie eines strukturierten Qualifizierungskonzepts. 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Graduiertenkolleg 1681/2 zum Thema „Privatheit und Digitalisierung“ an der Universität Passau allein in der zweiten Förderphase zwischen 2016 und 2021 mit insgesamt rund 4,2 Millionen Euro gefördert. Die Universität hat mit diesen Mitteln Stellen und Stipendien an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vergeben, die im Bereich „Privatheit und Digitalisierung“ forschen.

Die Passauer Besonderheit: Das Kolleg an der Universität Passau war an der Philosophischen sowie der Juristischen Fakultät verankert. Hier forschten fakultätsübergreifend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Rechts- und den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften gemeinsam und interdisziplinär.

Das Kolleg sollte deutschen wie internationalen Promovierenden eine Basis für deren Forschung und weitere Qualifizierung für ihren beruflichen Werdegang bieten. Die Kollegiatinnen und Kollegiaten mussten sich jeweils in einem Auswahlverfahren durch ihr fachliches Profil und ein herausragendes, fächerübergreifendes Forschungskonzept auf internationalem Niveau auszeichnen.

20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland nahmen die Themen Überwachung und Selbstbestimmtheit in digitalen Medien in den Blick, stellten historische Wandlungsprozesse von Privatheit und Öffentlichkeit vor und behandelten hochaktuelle Fragen nach Privatheit in Zeiten der Pandemie. In den Panels beleuchteten sie diese Fragen in 15-minütigen Kurzvorträgen aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen.

Unter den Vortragenden waren auch ehemalige Kollegsmitglieder, darunter etwa Dr. Julia Maria-Mönig, die inzwischen am Institut für Digitale Ethik an der Hochschule der Medien in Stuttgart dem Trend von der Privatheitsforschung hin zur Datenethik nachgeht. „Wir hatten das Privileg, am Puls der Zeit forschen zu dürfen“, sagte sie über das Kolleg.

Philosophie-Professorin aus Amsterdam beeindruckt von Passauer Bilanz

Am 18. Februar 2021 standen die Themenschwerpunkte „Begriffe, Entwicklungen, Ideologien“, „Räume des Privaten“ und „Medien des Privaten“ im Mittelpunkt, am 19. Februar waren es die Themenfelder „Kulturen des Privaten“, „Selbstbestimmung und Verantwortung“ sowie „Digitalität, Überwachung und Privatheit“.

Interdisziplinär waren auch die Keynotes der Tagung: Die Juristin Prof. Dr. Stephanie Schiedermair von der Universität Leipzig befasste sich aus der internationalen Perspektive mit dem „Recht auf Vergessenwerden“, das die europäische Datenschutzgrundverordnung vorsieht. Die Philosophin Prof. Dr. Beate Rössler von der Universität Amsterdam ging der digitalen Transformation des Menschen nach. Rössler, die vor neun Jahren auch die Keynote zur Eröffnung des Kollegs gehalten hatte, zeigte sich beeindruckt von der Bilanz: „Ihr Kolleg war extrem produktiv“, sagte sie. „Es ist ungewöhnlich, wie viele Passauer Kollegiatinnen und Kollegiaten nun an namhaften Instituten und Einrichtungen in ganz Deutschland forschen und arbeiten.“

DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 "Privatheit und Digitalisierung"

DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 "Privatheit und Digitalisierung"

Wie verändern Social Media, Big Data und digitale Überwachung den Begriff des Privaten? In der zweiten DFG-Förderphase konzentriert sich das Passauer Graduiertenkolleg auf das Thema Digitalisierung.

Prof. Dr. Kai von Lewinski

Prof. Dr. Kai von Lewinski

forscht zur Kollision von Rechtsräumen beim Informationsaustausch

Was bedeutet das Internet für das räumlich begrenzte Rechtssystem?

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Prof. Dr. Kai von Lewinski ist seit 2014 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Medien- und Informationsrecht und Sprecher des DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 "Privatheit und Digitalisierung" an der Universität Passau. Zuvor war er unter anderem wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Datenschutz in Leipzig.

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