Aufholbedarf sieht Prof. Dr. Carolin Häussler bei der Aufnahme von Innovationsaktivitäten sowie bei der Einführung von entwickelten Produkten und Diensten in den Markt. Die Passauer Ökonomin ist Mitglied der Expertenkommission Forschung und Innovation, die ihr Jahresgutachten an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben hat.
Das neue Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das der Bundeskanzlerin in Berlin übergeben wurde, untersucht anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung die aktuellen Innovationsleistungen Ostdeutschlands und ihre Entwicklungen über die letzten Jahre – auch im Vergleich zu denen Westdeutschlands. Neben dem Innovationsstandort Ostdeutschland wurden auch die Themen Cybersicherheit und Wissens- und Technologietransfer mit China von der Kommission untersucht und Empfehlungen für die Bundesregierung formuliert.
Innovationen gelten als wichtige Treiber der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und damit der Einkommens- und Wohlstandsentwicklung einer Volkswirtschaft. „Studien zeigen, dass Ostdeutschland den Produktivitätsrückstand gegenüber Westdeutschland seit der Wiedervereinigung deutlich verringern konnte: 1991 betrug die Produktivität in Ostdeutschland rund 45 Prozent des westdeutschen Niveaus, 2018 rund 83 Prozent“, wie der Vorsitzende der Expertenkommission, Prof. Uwe Cantner von der Universität Jena, positiv wertet. Gleichzeitig stellt er fest, dass sich diese Angleichung aber deutlich verlangsamt habe. Hierfür seien vielfältige strukturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland verantwortlich, die nach wie vor vorhanden seien und die sich auch auf die Innovationstätigkeit von Unternehmen auswirkten.
Um den Unterschieden in der Wirtschaftsstruktur zwischen Ost- und Westdeutschland Rechnung zu tragen und so zu einem aussagekräftigen Vergleich zu kommen, wurden nur solche Unternehmen aus Ost und West miteinander verglichen, die ähnliche Strukturmerkmale aufwiesen. Prof. Cantner stellt fest: „Werden nur strukturähnliche Unternehmen miteinander verglichen, so zeigt sich, dass sich die Innovationstätigkeit ostdeutscher Unternehmen in den vergangenen Jahren der Innovationstätigkeit der westdeutschen Unternehmen weitgehend angeglichen hat.“
Wie der Vergleich zeigt, sind ostdeutsche und westdeutsche Unternehmen bei zentralen Innovationsindikatoren nahezu auf Augenhöhe. „So lassen sich zum Beispiel bei der Innovationsintensität und dem Umsatzanteil mit Produktinnovationen strukturangeglichen kaum mehr Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Unternehmen feststellen,“ so Prof. Carolin Häussler von der Universität Passau und Mitglied der Expertenkommission. „Ein klarer Aufholbedarf ostdeutscher Unternehmen besteht hingegen noch bei der Aufnahme von Innovationsaktivitäten und der Einführung von Innovationen in den Markt“, führt sie weiter aus.
Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass ostdeutsche Unternehmen im Rahmen ihrer Innovationsprojekte häufiger kooperieren als westdeutsche Unternehmen. Dabei sind ihre Kooperationen allerdings häufiger regional und weniger international ausgerichtet.
Daraus resultieren folgende Empfehlungen der EFI:
Weitere Themen des Gutachtens sind u.a. Cybersicherheit und der Wissens- und Technologieaustausch mit China
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat sich in ihrem Jahresgutachten außerdem intensiv mit dem Thema Cybersicherheit und Auswirkungen von Cyberrisiken auf Innovationsaktivitäten sowie mit dem Wissens- und Technologieaustausch zwischen Deutschland und China beschäftigt. Zudem gab die Kommission Empfehlungen für die Hightech-Strategie des Bundes und die Wissenspolitik.
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) mit Sitz in Berlin leistet seit 2008 wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt jährlich ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.