Ein Team um den Datenwissenschaftler Prof. Dr. Michael Granitzer von der Universität Passau entwickelt in dem neuen BMFTR-Verbundprojekt SOURCE eine europaweite Infrastruktur, die manipulierte Informationen frühzeitig erkennt.
Desinformation im Internet stellt eine wachsende Bedrohung für demokratische Prozesse, gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in digitale Medien dar. Gleichzeitig erschweren die enorme Menge an Online-Inhalten, der Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz und die Abhängigkeit von kommerziellen Suchdiensten eine systematische Aufklärung. Hier setzt das Verbundprojekt SOURCE an, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird. Es entwickelt eine europaweit nutzbare Forschungs- und Analyseinfrastruktur, um manipulierte oder koordinierte Informationskampagnen im Web frühzeitig zu erkennen und nachvollziehbar zu untersuchen.
Offene Datenbank für Desinformationsartefakte
Ziel von SOURCE ist es, große Mengen an Web- und Social-Media-Daten automatisiert zu erfassen, mit modernen KI-Verfahren zu analysieren und potenzielle Desinformationsartefakte in einer offenen Datenbank bereitzustellen. Forschende, Fact-Checking-Organisationen, Medien, Zivilgesellschaft und Behörden sollen dadurch besser in die Lage versetzt werden, problematische Inhalte zu identifizieren, ihre Herkunft zu verstehen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Methodisch kombiniert SOURCE Inhaltsanalysen – etwa zur Erkennung KI-generierter Texte, zur Faktenprüfung oder zur Untersuchung manipulativer Sprachmuster – mit herkunftsbasierten Verfahren, die Verbreitungswege, zeitliche Dynamiken und beteiligte Akteursnetzwerke sichtbar machen. Eine leistungsfähige Hochleistungsrechen- und Cloud-Infrastruktur sorgt dafür, dass diese Analysen auch im Web-Maßstab möglich sind. Ergänzt wird dies durch enge Zusammenarbeit mit Praxispartnern und Communities, die die Werkzeuge in realen Anwendungsszenarien erproben und weiterentwickeln.
Digitale Souveränität Europas stärken
„Innovativ an unserem Vorhaben ist vor allem die Verbindung aus offener europäischer Web-Infrastruktur, neuartigen KI-Methoden und kollaborativer Validierung durch Expertinnen und Experten“, erklärt Prof. Dr. Michael Granitzer, Inhaber des Lehrstuhls für Data Science an der Universität Passau. Gemeinsam mit seinem Team fungiert er als Koordinator des Verbundprojekts. „SOURCE stärkt damit die digitale Souveränität Europas und schafft eine nachhaltige Grundlage für Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft, um dem Phänomen Desinformation langfristig wirksam zu begegnen.“
Die Universität Passau kooperiert in dem Projekt mit der Universität Kassel, dem Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie den gemeinnützigen Organisationen Open Search Foundation e.V. sowie Alliance4Europe. Die Open Search Foundation arbeitet an Konzepten für eine kooperative, offene und verteilte Internetsuche in Europa. Alliance4Europe setzt sich für den Schutz der Demokratie und Grundwerte in Europa ein. Am 27. April 2026 fand der Auftaktworkshop in Passau unter der Leitung von Prof. Dr. Granitzer statt.
Die Forschenden bauen mit dem Projekt auf Ergebnissen aus einem vergangenen Vorhaben auf. Ein Team um Prof. Dr. Granitzer und der Open Search Foundation e. V. entwickelte im Rahmen des EU-Projekts OpenWebSearch.EU einen Prototypen für einen offenen, europäischen Web Index als Grundlage für alternative Suchtechnologien.
Das Bundesministerium für Forschung, Raumfahrt und Technologie (BMFTR) fördert das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit 2.500.000 Euro.
| Projektleitung an der Universität Passau | Prof. Dr. Michael Granitzer (Lehrstuhl für Data Science) |
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| Laufzeit | 01.04.2026 - 31.03.2029 |
| Mittelgeber |
BMFTR - Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
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| Projektnummer | 16KIS2627K |