"Mich fasziniert die digitale Sicherheit, eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Mein Interesse gilt besonders der Frage: Wie können wir Systeme schützen, obwohl Angreifer immer kreativer werden?
Ich bin nun schon lange in der Informatik und das Thema hat mich bereits während meines Studiums interessiert – besonders der Aspekt, wie Softwaresysteme trotz manipulierter Komponenten noch korrekt funktionieren können. Dieses Prinzip nennt sich byzantinische Fehlertoleranz. Wie lassen sich Systeme so bauen, dass sie selbst unter Angriffen zuverlässig bleiben? Genau diese Frage ist heute einer meiner Forschungsschwerpunkte.
Später kam ein zweiter, inzwischen größerer Bereich hinzu: die Erkennung und Analyse von Angriffen. Hier beobachte ich auf der untersten Ebene, was in einem System passiert – etwa durch Monitoring von Produktivsystemen. Ein wichtiges Werkzeug sind dabei sogenannte Honeypots: absichtlich verwundbare Systeme, um Angreifer anzulocken. So kann ich in Echtzeit verfolgen, welche Angriffe gerade im Internet verbreitet sind. Besonders erschreckend ist dabei, wie schnell und vollautomatisiert Angreifer das gesamte Internet rund um die Uhr nach Schwachstellen abscannen.
Von interdisziplinärer Zusammenarbeit profitiere ich enorm, gerade im Bereich Smart-Home-Sicherheit. Denn hier spielt der menschliche Faktor eine große Rolle. Nur in der Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen lassen sich Lösungen entwickeln, die am Alltag der Menschen ansetzen und zudem rechtssicher sind."
Prof. Dr. Hans P. Reiser entwickelt in seiner Forschung Algorithmen und Architekturen, die Computersysteme selbst dann noch funktionsfähig halten, wenn einzelne Komponenten von Angreifern übernommen wurden. Außerdem erforscht er, wie sich vernetzte Serversysteme automatisch anpassen und optimieren können, wie Cloud Computing sicherer wird, und wie man Schadsoftware in Cloud-Umgebungen aufspürt und analysiert – etwa indem man das Innere virtueller Maschinen überwacht, ohne sie zu stören. Zur Lehrstuhl-Webseite