"Ich studiere die Benutzung älterer antiker und nachantiker Artefakte und ihre Rezeption im islamischen, byzantinischen und westlichen mittelalterlichen Kontext. Dadurch verbinde ich Umnutzungsprozesse mit Fragen des Besitzes von Kulturerbe und der Zugehörigkeit einzelner Gruppen zu Geschichte und Vergangenheit.
Besonders interessieren mich überkommene Grenzziehungen und Bedeutungszuschreibungen. Mein Interesse richtet sich auf Momente, Objekte und Schnittstellen, an denen etablierte Kategorien nicht funktionieren und so die Unzulänglichkeit von modernen Modellen erkennen lassen. Die Beschäftigung mit vergangenen Gegenständen – seien es Sprachen, Texte oder Artefakte – macht uns unsere eigene Verortung in der Gegenwart bewusst und lässt uns unsere modernen Vorannahmen erkennen. Wir verstehen die Dinge durch Differenz.
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kann uns daher helfen, uns selbst und unsere Welt besser zu begreifen – etwas, das die ausschließliche Beschäftigung mit gegenwärtigen Phänomenen kaum leisten kann, da sie bestehende Annahmen eher verstärkt. Zeitliche Distanz sollte daher nicht als Hindernis, sondern als produktive Bedingung von Erkenntnis verstanden werden: Sie ermöglicht, Erkenntniswege kritisch zu hinterfragen, und trägt aktiv dazu bei, das Verhältnis zwischen Selbst und Welt zu gestalten."
Der Schwerpunkt von Prof. Dr. Bergmeiers Forschung liegt auf der Kunst- und Architekturgeschichte des mittelalterlichen Europa, des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens, mit einem Fokus auf transkulturellen Phänomenen und Kulturerbe (Cultural Heritage) von der Spätantike bis zum Beginn der frühen Neuzeit.