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Sechs Minuten vor Nobel-Publikum

Gespräch mit Dr. Benedikt Janzen, der in Lindau seine Forschung Trägerinnen und Trägern des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises präsentiert hat.

Blick in den Konferenzsaal der Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften. Auf der Bühne läuft eine Panel-Diskussion zum Thema Klimapolitik. Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Ende August traf der wissenschaftliche Nachwuchs in Lindau auf die einflussreichsten Ökonominnen und Ökonomen der Welt. Dr. Benedikt Janzen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Public Economics an der Universität Passau, war einer von 300 Nachwuchsforschenden weltweit, die teilnehmen durften. Dr. Janzen forscht in Passau zur angewandten Mikroökonomik mit einem Fokus auf Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsökonomie.

Worum ging es in Ihrer Präsentation auf der Tagung?

Dr. Benedikt Janzen präsentiert bei seinem Vortrag in Lindau eine Grafik aus einer Studie zur Eignung der Nachbarschaft für die Installation von Solaranlagen. Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Dr. Benedikt Janzen präsentiert bei seinem Vortrag eine Grafik aus einer Studie zur Eignung der Nachbarschaft für die Installation von Solaranlagen. Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

In dem vorgestellten Projekt untersuche ich gemeinsam mit meinem damaligen Mitdoktoranden, ob das umweltfreundliche Verhalten eines Haushalts dazu beiträgt, dass auch benachbarte Haushalte ihr Verhalten nachhaltiger ausrichten. Konkret zeigen unsere Daten aus der Schweiz: Wenn in einer Nachbarschaft Solaranlagen installiert werden, hat das messbare soziale Effekte – die Haushalte in der Umgebung passen ihr eigenes Energieverhalten an. Um das sauber belegen zu können, benötigen wir unter anderem einen Wert, der angibt, wie geeignet die Dachflächen in der Nachbarschaft für die Installation einer Solaranlage sind. Die Grafik, die ich in Lindau gezeigt habe, veranschaulicht wie wir diesen Wert berechnen. In der Mitte, dort wo alle roten Linien zusammenlaufen, ist ein Haushalt im Kanton Bern zu sehen. Die Farben der umliegenden Dächer zeigen deren Eignung für Solaranlagen. Jede rote Linie misst die Distanz zwischen dem betrachteten Haushalt und einer weiteren Dachfläche. So können wir die näher gelegenen Dachflächen stärker gewichten. Je mehr gut geeignete Dächer sich in unmittelbarer Nähe befinden, desto höher ist die Eignung der Nachbarschaft für die Installation von Solaranlagen. Diesen Wert haben wir dann für etwa 250 000 Haushalten berechnet.

Wie reagierte das Publikum? Kamen Nachfragen?

Ja, und das ist auch sehr wichtig. Nach jeder Präsentation gab es direkt im Anschluss drei Minuten Zeit für Fragen. Solches Feedback durch das Publikum ist auch auf anderen wissenschaftlichen Konferenzen üblich. Denn das hilft uns, unsere Arbeit weiter zu verbessern.

Die Atmosphäre war sehr entspannt, sehr kollegial. Das hat dann natürlich schon einiges an Druck weggenommen.

Wie war es, vor einem solch prominenten Publikum zu präsentieren? Im Saal saßen immerhin Trägerinnen und Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises.

Ehrlich gesagt habe ich auf der Bühne gar nicht so viel davon mitbekommen. Wegen der Beleuchtung sieht man von der Bühne aus nicht viel vom Publikum. Aber das war schon eine andere Situation als auf anderen wissenschaftlichen Konferenzen. Die Bühne war riesig und der Raum viel größer. Aber die Atmosphäre war sehr entspannt, sehr kollegial. Das hat dann natürlich schon einiges an Druck weggenommen.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Keynote von Guido Imbens, der 2021 zusammen mit David Card und Joshua Angrist mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis ausgezeichnet wurde. Foto: Torben Nuding/Lindau Nobel Laureate Meetings

Keynote von Guido Imbens, der 2021 zusammen mit David Card und Joshua Angrist mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis ausgezeichnet wurde. Foto: Torben Nuding/Lindau Nobel Laureate Meetings

Tatsächlich musste ich mich nicht groß vorbereiten, weil ich das Projekt schon so oft vorgestellt habe. Die größte Herausforderung war die Zeit: Während in Seminaren teilweise bis zu 90 Minuten zur Verfügung stehen, musste ich mich diesmal auf sechs Minuten beschränken. Das ist anspruchsvoll, die Inhalte des Projekts und unsere Methoden in so kurzer Zeit rüberzubringen, dass sie für alle verständlich sind. Zum Glück hatte ich das Bild dabei. Das hat sicher geholfen.

Und wie lief der Austausch mit den Nobelpreisträgerinnen und -trägern abseits der Bühne?

Es war eine sehr ungezwungene Atmosphäre – beim gemeinsamen Mittagessen, oder auch beim Tischtennis-Spielen. Dann gab es beispielsweise Open Exchanges, Möglichkeiten des offenen Austausches, wo sich die Nobelpreisträgerinnen und -träger in einen Raum gesetzt haben. Man konnte sich 90 Minuten lang dazusetzen und fragen, was man wollte.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Alle Vorträge, die die Nobelpreisträgerinnen und -träger gehalten haben. Von besonderem Interesse waren für mich die Vorträge von Joshua Angrist und Guido Imbens. Ihre Methoden prägen ja meine Arbeit. Mich als Umweltökonom hat außerdem sehr gefreut, dass eine Panel-Diskussion zum Thema Klimapolitik einen prominenten Platz auf der Agenda erhalten hat. Auch die Next Gen Science Sessions, also das Format, in dem wir Nachwuchsforschende präsentieren konnten, fand ich sehr interessant.

Bluesky

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