Die gute Nachricht zuerst: Nutzerinnen und Nutzer profitieren immer von den zusätzlichen Diensten, zumindest dann, wenn ihnen der Komfort wichtiger ist als der Datenschutz. Die schlechte Nachricht für Betreiberinnen und -Betreiber von Webseiten, die sich auf solche Angebote einlassen: In vielen Fällen stellen sie sich dadurch langfristig schlechter. Sie landen in einem Data-Sharing-Dilemma, wie die Wirtschaftsinformatiker Professor Jan Krämer, Dr. Daniel Schnurr und Dr. Michael Wohlfarth der Universität Passau ihre Erkenntnisse in einem Beitrag für die MIT Sloan Management Review zusammenfassen.
Die Forscher zeigen auf, dass viele populäre Dienstangebote, die große Plattformen an kleinere Webseitenbetreiber oder Händler machen, insbesondere dazu genutzt werden können, um an mehr wettbewerbsrelevante Daten zu gelangen. Obwohl diese Dienste attraktiv für die Nutzer sind, müssen die Webseiten in der Folge mehr Informationen über ihre Nutzerinnen und Nutzer teilen, was in der Folge die Wettbewerbsposition der Webseiten gegenüber der Plattform schwächt und ein entsprechendes Dilemma hervorruft.
Unter anderem folgende Dienstangebote von großen Online-Plattformen haben nach Einschätzung der Forschung das Potenzial, ein Data-Sharing-Dilemma hervorzurufen:
„Strategische Herausforderung im digitalen Ökosystem“
Besonders attraktiv erscheinen all diese Dienste für kleine Organisationen und Startups, schreiben die Passauer Forscher. Denn diese versprechen sich von den Angeboten einen großen Wettbewerbsvorteil. Allerdings sei dieser nur von kurzer Dauer, solange eben, bis die anderen nachziehen.
„Unsere Erkenntnisse deuten auf eine strategische Herausforderung im heutigen digitalen Ökosystem“, schreiben die Autoren. „Unsere Forschung zeigt, dass Anbietende von Online-Content und -Dienstleistungen Abhängigkeit und Ausbeutung riskieren, wenn sie die Data-Sharing-Dienste nutzen.“
Die Forscher zeigen in dem Beitrag auch Wege auf, wie sich die Risiken womöglich schmälern lassen: Unter anderem raten sie den Webseiten-Betreibenden dazu, sich mit Konkurrentinnen und Konkurrenten zusammenzuschließen – „anstatt die Macht der Online-Giganten weiter zu stärken“. Zwar gibt es solche Ansätze, wie beispielsweise OpenID. Diese sind allerdings nur einem Nischenpublikum bekannt. Die Autoren sehen in der Blockchain-Technologie eine neue Möglichkeit, „um das Konzept einer dezentralen Login-Struktur neu zu beleben“.
Über die Autoren
Prof. Dr. Jan Krämer ist seit 2014 Inhaber des Lehrstuhls für Internet- und Telekommunikationswirtschaft an der Universität Passau. Er ist zudem Research Fellow am „Centre on Regulation in Europe“ (CERRE), einem Think Tank mit Sitz in Brüssel. Zuvor leitete er die Forschungsgruppe „Telecommunications Markets“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Dr. Daniel Schnurr leitet die vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Zentrum.Digitalisierung Bayern (ZD.B) geförderte Forschungsgruppe Data Policies an der Universität Passau. Diese kooperiert eng mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Internet- und Telekommunikationswirtschaft von Prof. Dr. Krämer.
Dr. Michael Wohlfarth ist ehemaliger Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internet- und Telekommunikationswirtschaft an der Universität Passau. Er promovierte zum Thema "Data as a Competitive Resource“.
Linktipps: