Mangelndes Sehvermögen ist eine der meistverbreiteten Behinderungen weltweit. Das World Economic Forum schätzt, dass etwa 2,5 Milliarden Menschen betroffen sind, 80 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. Schlechte Augen sind ein ökonomischer Faktor: Sie verschärfen Ungleichheit und Armut.
Eine Lösung bietet EinDollarBrillen e.V.: Brillen, die aus einem leichten und flexiblen Federstahlrahmen und vorgefertigten Gläsern bestehen, können vor Ort mit Hilfe einfacher Biegemaschinen hergestellt werden. Die Materialkosten betragen ungefähr einen US Dollar, deshalb der Name. Trotzdem ist der Vertrieb der EinDollarBrillen über den regulären Markt schwierig.
Wir haben in einer Feldstudie die Ursachen dafür untersucht. Zwar kosten die Brillen nur jeweils 8,6 US Dollar, das ist aber für viele Menschen in der untersuchten Region im Norden von Burkina Faso immer noch zu teuer. Unsere Studie ergibt, dass in einem Umfeld, in dem die Ressourcen extrem knapp sind, bis zu 88 Prozent des Marktpreises der Brillen subventioniert werden müssten, um 90 Prozent der Betroffenen zu erreichen.
Unsere Erkenntnisse im Einzelnen:
Unser Vorgehen
Wir haben die Feldstudie in 21 Dörfern um die Stadt Kaya im Norden von Burkina Faso durchgeführt. Es handelt sich hier um eine der weltweit ärmsten Gegenden. Die finanziellen Ressourcen dort sind also extrem knapp. Um die Zahlungsbereitschaft herauszufinden, haben wir eine Variante der Becker-DeGroot-Marschak (BDM) Methode angewandt. Wir forderten also die 412 Teilnehmenden auf, einen Preis für die Brille zu bieten. Lag das Gebot über einem zufällig gezogenen Preis, erhielt die Bieterin oder der Bieter die Brille zu diesem Preis. So entstand ein Anreiz, einen Preis entsprechend der eigenen Wertschätzung zu nennen. Es handelt sich um eine der wenigen Studien, die diesen Ansatz in einer Feldstudie in Sub-Sahara Afrika angewandt haben.
Sechs Monate später befragten wir jene Teilnehmenden, die erfolgreich eine Brille erworben haben, zu ihrem Nutzungsverhalten. Unter anderem wollten wir wissen, wie sie den Wert der Brille jetzt einschätzen würden. Wir wollten hier auch untersuchen, inwiefern der niedrige Preis womöglich negative Effekte hatte. Wir konnten keine feststellen. Im Gegenteil.
Hier zeigte sich für uns der wohl stichhaltigste Beweis, wie sehr die Brille das Leben der Menschen verbessert hat: Im Durchschnitt waren die Befragten bereit, 4,6 US Dollar für eine Brille auszugeben, obwohl sich ihr monatliches Bareinkommen nicht verändert hat.
Prof. Dr. Michael Grimm ist Inhaber des Lehrstuhls für Development Economics an der Universität Passau. Renate Hartwig (PhD) forscht als Entwicklungsökonomin an der Universität Passau und der belgischen Universität Namur.