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Heisenberg-Professur: Ein neuer Blick auf die Kunstgeschichte

Heisenberg-Professur: Ein neuer Blick auf die Kunstgeschichte

Prof. Dr. Armin Bergmeier ist neuer Heisenberg-Professor an der Universität Passau und Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte und Materielle Kultur. Seine Forschung dreht sich um die Frage der methodischen Erneuerung der Kunstgeschichte.

Wer „Kulturerbe“ hört, denkt schnell an die UNESCO, die einzigartige Kultur- und Naturgüter der Menschheit schützt. Doch die Tradition des Aufbewahrens und Wiederverwendens von Objekten und Bauteilen ist viel älter. Mit seiner Forschung verfolgt Prof. Dr. Armin Bergmeier von der Universität Passau unter anderem das Ziel, Kulturerbe-Forschung stärker im Fach Kunstgeschichte zu verankern.

Prof. Dr. Bergmeier hat seit Juli 2026 den Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Materielle Kultur an der Universität Passau inne. Gefördert wird er für seine Forschung fünf Jahre lang im Rahmen des renommierten Heisenberg-Programms. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt damit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Berufbarkeit auf eine Professur durch eine Habilitation nachweisen können und durch besonders herausragende wissenschaftliche Leistungen ausgewiesen sind. Prof. Dr. Bergmeier hat sich in einem hochkompetitiven Verfahren erfolgreich durchgesetzt und mehr als 600.000 Euro Mittel eingeworben.

Was erforscht werden soll

Ein Aspekt seiner Forschung ist das Phänomen der Spolienverwendung. „Spolie“ bezeichnet ein Bauteil - etwa ein Skulpturenfragment oder Ornament eines oft historischen Bauwerks - welches in einem neuen Bau wiederverwendet wird. Dieses Phänomen wird in der Kunstgeschichte und der Archäologie seit Langem diskutiert. „An der Spolienverwendung wird sichtbar, wie kulturelles Erbe in der Vergangenheit kuratiert wurde – lange bevor es ein Konzept wie die UNESCO überhaupt gab“, sagt Prof. Dr. Bergmeier. Sein Ziel ist es, Kulturerbe-Forschung als Untersuchung von Veränderungen nun als zentralen Untersuchungsgegenstand der Kunstgeschichte zu etablieren.

Den zweiten Schwerpunkt seiner Forschung im Rahmen der Heisenberg-Professur widmet Prof. Dr. Bergmeier der Epistemologiekritik, dem kritischen Umgang mit Vergangenem und dessen Bewertung. „Bislang fokussiert sich die wissenschaftliche Untersuchung in der Kulturerbe-Forschung meist auf die historische oder gegenwärtige Bewertung von Objekten. Die Frage, ob unsere modernen Sichtweisen (Episteme) den Blick auf die Objekte verzerren und einfärben wird oft ignoriert“, kritisiert Prof. Dr. Bergmeier. Für ihn stellt sich daher die Frage: Welche Strukturen lagen und liegen der Wissensproduktion bei der Verwendung von Objekten zugrunde? Sein Blick richtet sich auf Momente der Nutzung, Bewahrung, Ausgrabung, Ausstellung, Fälschung, Wiederherstellung und Enteignung. Ein solcher Ansatz hinterfragt die Narrative, die den Objekten und Praktiken in den verschiedenen Epochen Bedeutung verliehen haben.

Zur Person

Prof. Dr. Bergmeier ist Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte und Materielle Kultur an der Universität Passau. Von 2003 bis 2010 studierte er Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und erhielt seinen Magister. Seine akademische Laufbahn führte ihn an die Universität Leipzig, wo er sich 2023 habilitierte und eine Vertretungsprofessor für europäische und globale Kunstgeschichte des Mittelalters übernahm. Er war Gastwissenschaftler und hatte internationale Stipendien in New York, Istanbul und zuletzt in Wien.

Prof. Dr. Armin Bergmeier erforscht unter anderem das Phänomen der architektonischen Wiederverwendung. Im Hintergrund ist für diese Art der Bewahrung des kulturellen Erbe ein Beispiel zu sehen: Beim Wiederaufbau des Passauer Doms nach dem verheerenden Stadtbrand im 17. Jahrhundert integrierten italienische Baumeister Überreste des gotischen Doms in den neuen barocken Bau.

Projektleitung an der Universität Passau Prof. Dr. Armin Bergmeier (Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Materielle Kultur)
Laufzeit 01.07.2026 - 30.06.2031
Mittelgeber
DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft > DFG - Heisenberg-Professur
DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft > DFG - Heisenberg-Professur
Projektnummer 555746433
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