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Typologie und Theorie der Remotivierung

Typologie und Theorie der RemotivierungTypologie und Theorie der Remotivierung

Faltet der Zitronenfalter Zitronen? In dem DFG-Projekt "Typologie und Theorie der Remotivierung" geht Prof. Dr. Rüdiger Harnisch unter anderem der Frage nach, wie und warum sprachliche Äußerungen zusätzlich mit Bedeutung aufgeladen werden.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt "Typologie und Theorie der Remotivierung" des Lehrstuhls für Deutsche Sprachwissenschaft der Universität Passau von Prof. Dr. Rüdiger Harnisch. Darin soll der Frage nachgegangen werden, wie und warum sprachliche Äußerungen zusätzlich mit Bedeutung aufgeladen werden (Sinn-Suche) und in ihrer Zusammensetzung transparenter gemacht werden, als sie eigentlich sind (Struktur-Suche).

Der Zitronenfalter hat weder mit "falten" noch mit der "Zitrone" etwas zu tun - ein Beispiel für das Phänomen der Remotivierung. Sprachliche Zeichen gelten gemeinhin als willkürlich, als nicht motiviert. Denn ihre sichtbare und hörbare Form ist in der Regel nicht unmittelbarer Ausdruck ihrer Bedeutung. Nur lautmalerische Wörter - beispielsweise "Wauwau" für 'Hund' -, sogenannte Volksetymologien wie "Hängematte" (für karibisch "hamaca") und durchsichtige Bildungen wie "dreizehn" als Aggregat für '3 + 10' gelten als Ausnahmen davon.

Überschüssige Form verlangt nach Inhalt

Das Projekt will zeigen, dass Sprecherinnen und Sprecher sehr viel mehr solcher Form-Inhaltsbezüge finden oder sie gar erst herstellen. Das ist mit "Remotivierung" gemeint. So interpretieren Kinder ein Wort wie "sauber" oft als Steigerungsform von "saub", entdecken darin also etwa analog zu "kleiner" eine Struktur 'saub + er', der sie den vermeintlichen Sinn einer Steigerung zuweisen. Oder es legen Karikaturisten wie Paul Flora scherzhaft Sinn und Struktur in Wörter wie 'Zitronenfalter', so als ob es sich, wie seine Zeichnung es abbildet, um eine Person handle, die Zitronen faltet (siehe Bild rechts, Foto: Fotolia, www.paulflora-rechte.com). Dabei hat der 'Falter' mit 'falten' nichts zu tun, und der Wortbestandteil 'Zitrone' steht gar nicht für die Frucht selber, sondern für deren Farbe. Das alles sind Beispiele dafür, dass überschüssige Form nach Inhalt verlangt.

Doch auch das Umgekehrte gehört zu den Gegenständen des Projekts: dass nämlich Inhalt nach zusätzlicher Form verlangt. Zum Beispiel drücken wir einem eigentlich schon als Adjektiv gekennzeichneten fremdsprachlichen 'fisk-al' noch einen deutschen Stempel auf und sagen 'fiskal-isch'. Oder wir kennzeichnen 'Keks', das eigentlich schon eine englische Mehrzahlform ist (cake-s), redundant nochmals mit einer deutschen Pluralendung (Keks-e). Ein drittes untersuchtes Phänomen ist, dass der eine Sinn nach einem andern verlangt, zum Beispiel ein nur aus der konkreten Situation zu gewinnender Sinn nach einem wörtlichen ("Hast du eine Uhr dran?" – scherzhafte Antwort: "Ja."), oder aber umgekehrt ein wörtlicher nach einem aus dem Weltwissen angereicherten (wer "Broiler" sagt, stammt aus der ehemaligen DDR).

Vielfalt an sprachlichen Erscheinungen

Das Forschungsteam kategorisiert die Vielfalt an sprachlichen Erscheinungen dieser Art, um darüber eine Theorie der Remotivierung zu bauen - die es in der Deutschen Sprachwissenschaft bisher noch nicht gibt: Zwar sind viele disparate Phänomene der geschilderten Art für sich schon beschrieben worden. Doch an einer Darstellung der Grundgemeinsamkeiten dieser Typen, aber auch ihrer charakteristischen Unterschiede, mangelt es bisher.

Projektleitung an der Universität PassauProf. Dr. Rüdiger Harnisch (Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft)
Laufzeit01.10.2015 - 30.09.2018
Websitehttp://www.phil.uni-passau.de/index.php?id=8274
Mittelgeber
DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft > DFG - Sachbeihilfe
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