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"Überwachung ist das größte Problem"

Öffentliche Ringvorlesung "Alles außer Kontrolle? Herausforderungen der Digitalisierung für die Gesellschaft“:  Der Psychologe Prof. Dr. Axel Buchner analysiert die psychischen Gefährdungen in Betrieben, die auf Industrie 4.0 umgestellt haben. Immer Thema: Überwachung.

Prof. Dr. Buchner, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie und Arbeitspsychologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, hat im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Betriebswirtschaft, der Arbeitsmedizin und der Arbeitssoziologie ein Web-basiertes Instrument entwickelt, mit dem Betriebe erkennen können, welche Gefahren lauern, wenn sie ihre Produktion auf Industrie 4.0 umstellen.  „Das, worunter die Leute am meisten leiden, ist Überwachung“, sagte Buchner in seinem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung zu Gesellschaft und Digitalisierung an der Universität Passau. Fehler werden in der Industrie 4.0 sehr viel schneller sichtbar – insbesondere für die Vorgesetzten.

Darüber hinaus hätten Fehler sehr viel gravierendere Folgen: Bisweilen führten sie zum Ausfall einer gesamten Produktionshalle, während vor der Umstellung lediglich ein Teil der Maschinen betroffen war.  Prof. Dr. Buchner plädiert für mehr Disziplin auf Seiten der Vorgesetzten:  Sie sollten „nicht immer gleich losrennen, wenn irgendwo ein Fehler auftritt.“.

Ein weiteres großes Thema bei den Beschäftigten in diesen Betrieben sei die Frage der Qualifikation. Es zeige sich, dass es einige wenige gebe, die sich mit der Umstellung leichter taten und infolgedessen wertvolles Wissen erwarben. Allerdings gab „diese kleine Elite“ ihr Wissen nicht an die Kolleginnen und Kollegen weiter. Dahinter stecke wohl die Angst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ersetzt oder isoliert zu werden.

Von links: Prof. Dr. Susanne Mayr, Prof. Dr. Franz Lehner, Prof. Dr. Axel Buchner

Von links: Prof. Dr. Susanne Mayr und Prof. Dr. Franz Lehner (beide Universität Passau) zusammen mit Prof. Dr. Axel Buchner (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf).

Prof. Dr. Buchners Vortrag zeigte, wie wichtig der Blick aus der Psychologie ist, um bei der Umstellung auf Industrie 4.0 gleich von Beginn an die menschlichen Eigenheiten mitzudenken. „Wenn man weiß, wie das menschliche Gehirn tickt, lassen sich viele Fehler vermeiden.“ Prof. Dr. Buchner zeigte dies anhand von Beispielen aus der Luftfahrt, wo die Automatisierung schon vor Jahrzehnten eingesetzt hat. Dazu gehört es etwa, die Schalter und Hebel so zu gestalten, dass Pilotinnen und Piloten intuitiv wissen, was sie damit bedienen. Buchner dazu: „Das menschliche Gehirn ist dazu gemacht, Bedeutungen zu erinnern und nicht bedeutungslose Oberflächeneigenschaften wie zum Beispiel die, dass der linke von zwei Schaltern das eine bewirkt und der rechte das andere.“ 

Prof. Dr. Buchners Vortrag war Teil der öffentlichen Ringvorlesung zum Thema „Alles außer Kontrolle? Herausforderungen der Digitalisierung für die Gesellschaft“ im Wintersemester 2018/2019. Diese setzte sich mit aktuellen Fragen und Beiträgen zu gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Digitalisierung auseinander. Die Veranstaltungsreihe war ein gemeinsames Projekt von Prof. Dr. Franz Lehner (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik), Prof. Dr. Susanne Mayr (Lehrstuhl für Psychologie mit Schwerpunkt Mensch-Maschine-Interaktion) und Prof. Dr. Hannah Schmid-Petri (Lehrstuhl für Wissenschaftskommunikation).