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Mindy Nunez Duffourc, Humboldt-Stipendiatin aus New Orleans, USA

"Ich finde, dass Passau sehr familienfreundlich ist": Mindy Nunez Duffourc lebte mit ihrer Familie von Oktober 2016 bis März 2019 in Passau und forschte in dieser Zeit am Lehrstuhl für Common Law von Prof. Dr. Jörg Fedtke zu Fragen der medizinischen Haftung.

Mindy Nunez Duffourc from New Orleans, USA, with her husband René and her son Rainier during the video shoot in Passau's Höllgasse

Im Oktober 2016 zog Mindy Nunez Duffourc mit ihrem Mann René und ihrem Sohn Rainier von New Orleans, USA, nach Passau, Deutschland. Sie erhielt ein Bundeskanzler-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung und begann, am Lehrstuhl für Common Law von Prof. Dr. Jörg Fedtke an der Universität Passau zu forschen. Mindy blieb bis März 2019 und kehrt nun auf ihre Stelle als Anwältin in New Orleans zurück. Sie sagt, dass die unterstützende Infrastruktur der Universität, ganz besonders die Hilfe durch das Welcome Centre, ihr und ihrer Familie die Ankunft in Passau sehr leicht gemacht haben. Sie hätten sich schnell zu Hause gefühlt. Ihr Mann ist Künstler und arbeitete in einer kleinen Gallerie in der Höllgasse, die heute mit ihren bemalten Pflastersteinen eine der schönsten Straßen Passaus ist. Das Video mit Mindy haben wir in der Höllgasse geführt.

Sie sind länger geblieben als erwartet. Warum?

Ich kam als Bundeskanzler-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung und im Rahmen dieses Programms konnte ich mein eigenes Forschungsprojekt konzipieren. Es war eigentlich angelegt auf ein Jahr. Professor Fedtke nahm mich dankenswerterweise in sein Lehrstuhlteam hier in Passau auf. Eines Tages, wir tranken gerade Kaffee und sprachen über mein Forschungsprojekt, schlug er vor, dass ich dieses doch in eine Dissertation verwandeln könnte und bot mir eine Stelle als Lehrbeauftragte im Rahmen des englischsprachigen Studienprogramms "Certifticate of Studies in European, Comparative and International Law" an. 

Worum geht es in Ihrer Promotion?

In meiner Promotion entwickle ich einen vergleichenden Ansatz zu Klageansprüchen im Bereich Risikomanagement im Gesundheitswesen. Meine grundlegende Frage ist: Ist das Gesundheitswesen rechtlich verpflichtet, Risiken im Blick zu haben, die Patientinnen und Patienten schaden könnten? Wenn wir über medizinische Fehler sprechen, dann denken wir meist nur an eine einzelne Person, an  die Ärztin oder die Pflegekraft. Aber in einem modernen Verständnis von Fehlerprävention zeigt uns die Forschung, dass wir uns auch die Organisation anschauen sollten. In meiner Forschung versuche ich, medizinische Haftungsfragen mit der Organisation in Einklang zu bringen.

Wie ist es Ihnen und Ihrer Familie in Passau ergangen?

Ich finde, dass Passau sehr familienfreundlich ist. Manche Deutsche denken vielleicht, dass Passau weit weg von größeren Städten ist. Aber aus unserer, amerikanischen Sicht ist es überhaupt nicht weit nach München und nicht einmal nach Wien. Wir profitierten von der Lage also gleich aus zweifacher Sicht: Wir befanden uns in einer kleinen, familienfreundlichen Stadt, wo wir alles zu Fuß erreichen konnten. Es gab hier viele Spielplätze für meinen Sohn. Die Kinderkrippe der Universität auf dem Campusgelände war für uns eine große Unterstützung. Wenn wir reisen wollten, gingen wir zum Bahnhof, stiegen in den Zug – und konnten von dort aus fast überall hinfahren. Wir genossen die Vorzüge dieser kleinen barocken Stadt sehr.

Was werden Sie an Passau vermissen?

Unser autofreies Leben hier. Wir konnten hier alles zu Fuß erreichen. Wir wohnten nahe Altstadt, das war wirklich sehr schön. Egal wohin wir gingen, es gab überall Spielplätze für unseren Sohn. Einer ist direkt am Inn gelegen, auch der an der Ortspitze ist sehr schön. Wir genossen es sehr, an den Flüssen entlang zu spazieren, an der Donau oder am Inn, ganz besonders schön war unser morgendlicher Arbeitsweg am Inn entlang zur Universität und zur Kinderkrippe meines Sohns. Das steht im krassen Kontrast zur allmorgendlichen Pendelei mit dem Auto in den USA.

Was werden Sie zurück in New Orleans machen?

Ich kehre direkt in die Praxis zurück und nehme meine Arbeit als Anwältin wieder auf. Das wird herausfordernd, weil ich gleich in meinem ersten Monat zwei mündliche Verhandlungen vor dem Berufungsgericht in New Orleans haben werde. Ich werde also sofort wieder voll durchstarten. Aber ich werde auch meine vergleichende Forschungsarbeit weiterverfolgen und nach Deutschland blicken, um mir Anregungen für das System in den USA zu holen, beispielsweise wenn es darum geht, bessere Wege im Bereich Fehlerprävention zu finden oder die Ansätze in Haftungsfragen zu beeinflussen. Ich werde natürlich auch meine Dissertation noch abschließen müssen. Darüber hinaus werde ich einen Vortrag auf der jährlichen Konferenz der Law and Society Asscociation in Washington D.C. halten. Mein Thema wird sein: „Wie können wir vom Deutschen Modell lernen, um Patientinnen und Patienten nach einem medizinischen Fehler besser zu unterstützen?“  Meine Arbeit – sowohl in der Forschung als auch in der Praxis – wird also weiterhin diesen deutschen Einfluss haben.